• Pfarrer Georg

32.So: klug und töricht

Das heutige Gleichnis vom Himmelreich ist ein sehr bekanntes: es ist die Geschichte von den klugen und törichten Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten. Hier wird eine Bildgeschichte ganz bewusst in Schwarz-Weiß erzählt, weil durch den Kontrast die Aussageabsicht besser hervortritt: es geht darum, im Leben klug zu handeln. Dabei muss man präzisieren: es geht hier weniger um „Intelligenz versus Dummheit“, sondern vielmehr um „Engagement versus Desinteresse“. Klugheit ist hier eine innere Bereitschaft, die aus einer echten Sehnsucht kommt. Töricht meint eher ein uninteressiertes „Schau ma einmal…“

Im Alltag schwanken wir zwischen den beiden Extremen hin und her: einmal mehr auf die eine, dann mehr auf die andere Seite. Beide Seiten sind jedenfalls in uns vorhanden.

Ich möchte nun zwei Punkte aus dem Gleichnis herausgreifen und sie dann wie eine Folie auf unsere heutige Zeit legen:

1) Das erhoffte Ziel rückt in die Ferne

Der Bräutigam lässt auf sich warten, und alle werden müde und schlafen ein. Vielleicht ist damit die enttäuschte Naherwartung der frühen Christen angedeutet. Die Wiederkunft Christi bleibt aus. Und daher ist es verständlich: Die anfängliche Vorfreude ist bald verflogen. Die Motivation sinkt. Niemand bleibt wach.

2) Öl für die Lampen

Dieses Öl steht für etwas, wofür sich jede selber kümmern muss. Keine kann es sich von der anderen holen. Es steht für etwas, wo uns niemand vertreten kann. Es steht für unsere Eigenverantwortung im Leben. Die kann uns niemand abnehmen. Die wird nur durch das persönliche Engagement genährt oder eben nicht.

Legen wir nun diese beiden Punkte auf einen Bereich unserer aktuellen Lebenssituation:

1) Das Ende der Pandemie rückt in die Ferne

Manche schaffen die Einschränkungen in der Zeit des Lockdown besser, manche sind schon ganz ausgelaugt und nervlich strapaziert. Ich denke auch hier können wir sagen: Allen dauert es schon zu lange. Alle werden müde und wollen nicht mehr.

2) Eigenverantwortung ist immer möglich

Und doch können wir ein kleines bisschen beitragen, wenn wir aufeinander achten, wenn wir da und dort im Blick auf die Gemeinschaft so manchen Verzicht auf uns nehmen, wenn wir einander in der Zuversicht stärken. Das ist das Öl, für das wir verantwortlich sind.

Mir hat vor kurzem jemand gesagt: "Ich schaue nicht auf den nächsten Sommer, um mich auf etwas zu freuen, denn der ist noch weit weg. Ich schaue auf das, was ich jetzt tun kann, wo ich jetzt Freude bereiten und selber erleben kann."

Frage: Was können wir heute tun, wo wir Freude empfangen oder auch geben können? Das ist das Öl, für das wir verantwortlich sind.

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für Texte & Inhalt verantwortlich: Mag. Georg Fröschl

Laurentiusplatz 2, 1140 Wien, Pfarrer der Pfarre Breitensee

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