ausweichen oder hindurch?

hindurchgehen...
Ich verstehe Petrus gut. Zutiefst menschlich, was er tut. Er will Jesus vor Leid bewahren. Wer von uns würde das nicht auch versuchen – für die Menschen, die wir lieben?
Und doch: Jesus fährt ihn an. Hart. Schroff. „Hinter mich, Satan!" Ausgerechnet zu dem Mann, dem er kurz zuvor die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut hat. Das trifft.
Warum diese Härte? Weil Petrus etwas anbietet, das verlockend klingt: den leichteren Weg. Den Weg ohne Kreuz. Aber genau darin, sagt Jesus, liegt die Versuchung. Wer Gottes Willen ausweicht, verwirrt den Weg. Wird selbst zum Stolperstein.
Auch der Prophet Jeremia kennt das. Er hat sich seine Berufung nicht ausgesucht. Er hätte lieber geschwiegen. Musste aber reden – auch das Unbequeme.
Und wir? Uns geht es nicht anders. Auch wir würden das Schwere lieber umgehen.
Die Frage bleibt: Wie erkennen wir Gottes Willen, gerade wenn das Leben hart wird?
Ein Handbuch dafür gibt es nicht. Keine Checkliste, kein Rezept. Es gibt nur eines: hinter Jesus hergehen. Auf ihn schauen. Auf seine Beziehung zum Vater.
Diese Beziehung war sein Kompass. Sie ließ ihn weiterblicken, mitten durch das Dunkel hindurch. Nur so konnte er sein Kreuz annehmen – nicht weil er stark war, sondern weil er getragen war.
Von außen betrachtet: ein Scheitern. Ein Untergang. Doch die christliche Botschaft dreht das um. Gerade in dieser Hingabe, bis in den Tod, hat er das Leben in seiner ganzen Fülle gefunden. Er hätte die Welt gewinnen können. Aber ohne Liebe wäre alles wertlos gewesen.
Leben verlieren, sagt Jesus – das heißt: hingeben. Das heißt: lieben. Das heißt: wirklich leben.
Und auf diesem Weg sind wir nicht allein. Jesus geht ihn voraus. Er zeigt: Auch durch das Leid führt ein Weg. Und dieser Weg endet nicht im Nichts.
Ich vertraue darauf: Gott führt uns – wie Jesus – durch alles Leid hindurch. Nicht daran vorbei. Sondern hindurch. Zum Leben. Zur Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Nicht ausweichen. Hindurchgehen. Das ist der Weg. Das ist die Liebe. Das ist das Leben.


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