• Pfarrer Georg

5.FS: Komm heraus!


Das Evangelium vom 5. Fastensonntag erzählt uns vom letzten der sieben großen Zeichen bei Johannes: von der Auferweckung des Lazarus. Im Tun Jesu leuchtet Gottes Herrlichkeit auf: Freude, Heilung, Sättigung, Mut und Leben. Bei der Auferweckung des Lazarus zeigt sich, dass Gottes Macht sogar Gräber öffnet – sinnbildlich können wir das ja im Frühling an den Knospen kahler Bäume erleben.

Auf vier Punkte im Evangelium möchte ich hinweisen: in den ersten zwei sehen wir die Menschlichkeit Jesu, an der wir uns orientieren dürfen. Die anderen zwei Punkte legen mehr den Akzent auf das Durchscheinen der Göttlichkeit, die uns im Tun Jesu begegnet.

1) Jesus verlässt sich auf Gott – er reagiert nicht sofort

Nachdem Jesus von der Krankheit seines Freundes Lazarus erfährt, lässt er sich noch zwei Tage Zeit, bis er zu ihm aufbricht. Was hat das zu bedeuten? Es wurde ihm doch berichtet, dass es dringend sei?!

Für mich zeigt sich darin das Vertrauen Jesu in seinen Abba: er vertraut, dass Gott auch dann wirkt, wenn wir Menschen einmal nicht aktiv sind. Jesus ist überzeugt, dass sich Gottes Herrlichkeit auch in dieser Not zeigen wird. Sein Zuwarten ist für mich ein Zeichen für dieses Vertrauen – ich möchte auch in unserer heutigen Situation darum bitten.

2) Jesus zeigt Emotionen – er weint um seinen Freund

Dieser Gefühlsausbruch Jesu ist mir sehr sympathisch. Wir müssen nicht immer die Starken spielen. Wir dürfen unsere Gefühle zeigen und benennen. Ja wir dürfen unsere Emotionen auch unseren Mitmenschen zumuten.

Achten wir auf unsere Gefühle – so werden wir auch mehr Verständnis für die der anderen haben.

3) Jesus sagt zu Martha: Ich BIN die Auferstehung

Im Gespräch mit Martha fragt Jesus, ob sie an die Auferstehung glaubt und sie erwidert: „Ja, an die Auferstehung bei der Vollendung.“ – Und Jesus deutet mit der Formulierung „Ich BIN die Auferstehung“ an, dass Gottes Lebensmacht schon jetzt wirkt, nicht erst am Ende der Tage.

Glauben wir, dass unvergängliches Leben schon jetzt in uns wirkt?

4) Jesus sagt zu Lazarus: Komm heraus!

So wie wir auf geheimnisvolle Weise ins Leben gerufen werden und aus der Geburtsthöhle, dem Mutterschoß, ins Leben kommen, so will Gott uns immer wieder herausrufen: aus aller Enge, aus allen einschnürenden Bedingungen, aus unseren Alltagsgräbern… heraus in die Freiheit und Selbständigkeit, ins Leben…

Gerade jetzt erfahren wir, dass Leben auf engem Raum und vielleicht auch mit schlechter Stimmung lähmen kann. Wir verstehen umso mehr, wie gut es tut, wieder hinaus zu dürfen, und sehnen den Zeitpunkt herbei, wo uns zugerufen wird: „Kommt heraus!“ Vielleicht können wir schon jetzt einander helfen, die Binden, die uns im Zwischenmenschlichen niederhalten, zu lösen.

Vertrauen wir darauf: Gottes Lebensmacht wirkt auch heute!

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für Texte & Inhalt verantwortlich: Mag. Georg Fröschl

Laurentiusplatz 2, 1140 Wien, Pfarrer der Pfarre Breitensee

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