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  • Georg Fröschl

Christus in uns

Das Hochfest der Epiphanie (=Erscheinung) unseres Herrn ist in der orthodoxen Kirche das eigentliche Weihnachtfest. Bei uns hat es den volkstümlichen Namen Dreikönig erhalten und die Kinder gehen rund um dieses Fest als Könige verkleidet in die Wohnungen, um Christus zu verkünden und für die Schwestern und Brüder in ärmeren Weltregionen zu sammeln.


Ein Blick in die Bibel zeigt, dass weder von Königen, noch von dreien, noch von Heiligen die Rede ist. Die Besucher des Kindes aus dem Osten werden bloß Sterndeuter oder Weise genannt. Erst aus den von ihnen mitgebrachten Gaben hat sich wahrscheinlich die Dreizahl in unseren Köpfen als Bild festgesetzt: sie bringen Gold, Weihrauch und Myrre.


Diese Gaben wurden im Lauf der Kirchengeschichte schon vielfach gedeutet. Eine mögliche Interpretation sieht in den Gaben einen Hinweis auf die Größe des Menschseins, die uns durch die Menschwerdung Gottes wie ein Stern aufgestrahlt ist.


Gold weist hin auf den Reichtum, den Gott im Menschen angelegt hat. Jeder Mensch kann aus einer Vielfalt von Gaben und Möglichkeiten schöpfen und damit auch die Welt gestalten.


Weihrauch stellt die Fähigkeit des Menschen zum Über-sich-Hinausgehen dar. Im Menschen hat der Himmel Wurzeln geschlagen. Gottes Herrlichkeit erscheint im Menschen und breitet sich wie der Wohlgeruch des Weihrauchs aus.


Myrre schließlich ist das Symbol, das auf die Ganzheitlichkeit des Menschen hinweist. Wir sind zwar vergängliche Geschöpfe, tragen aber in uns als Wesen das Bild Gottes. So haben wir Anteil an der Fülle.


Zu Weihnachten haben wir unseren Blick vor allem auf den konkreten Ort der Menschwerdung im Volk Israel gerichtet; am Fest "Dreikönig/Epiphanie" feiern wir die universale Bedeutung der Menschwerdung Gottes: in jedem Menschen soll die „Christus-Wirklichkeit“ aufstrahlen.

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