Fließen genießen
- Georg Fröschl

- vor 11 Minuten
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Ich sitze am Ufer eines kleinen Baches. Gegenüber lassen die Baumkronen das goldene Abendlicht hindurch, fein gefiltert, wie durch einen Vorhang aus Blättern. Mildes Licht legt sich um mich, warm und ohne Gewicht. Ich höre das leise Plätschern des Wassers, ein Klang, der nichts will außer da zu sein. Da und dort kreist eine Mücke über der Oberfläche und spiegelt sich für einen Augenblick in ihr, bevor das Bild wieder zerfließt.
Alles ist da.
Ein großer Raum öffnet sich um mich – und zugleich in mir. Der Fluss der Zeit. Alles bewegt sich, und doch scheint alles ruhig, fast reglos. Das Fließen genießen, denke ich. Und ja – ich genieße es.
Nichts bleibt, wie es ist. Alles ist unaufhörlich in Verwandlung, und doch ist es derselbe eine Fluss. Fließen nicht auch in mir Blut und Atem? Ein Ein und Aus ohne Pause. Ein Pulsieren, das mich sacht weckt zu einer stillen, unaufgeregten Lebensfreude.
Ich bin im Fluss. Ich werde getragen.
Ich bin eingehüllt, umspült von meiner ganzen Lebenszeit. Meine Ahnen tragen mich, wie von weit her. Ihre Themen fließen durch mich hindurch – und ich darf sie aufnehmen, formen, zu einem Kunstwerk machen.
Nichts endgültig sehen. Alles ist unterwegs, im Vorübergang, im Werden. Aber das Werden – das ist das Leben selbst. Und in diesem Leben will sich etwas zeigen, so wie die Abendsonne sich zeigt in den Zwischenräumen der Blätter.
Etwas Lichtes will mich berühren, mich wärmen. Mir etwas zeigen. Mich einladen –
auf die Reise im Fluss.
Das Fließen genießen.




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