• Georg Fröschl

heil sein

Der Evangelist Lukas erzählt von 10 Aussätzigen. Ihre Hautkrankheit verbot es ihnen, sich in der Gesellschaft frei zu bewegen. Sie mussten sich von gesunden Personen fernhalten.

In der Pandemiezeit haben wir eine Ahnung davon bekommen, wie sich Distanzhalten psychisch auswirken kann: es kann die Selbstsicherheit rauben und Depressionen auslösen. Für viele wird auch der Glaube an einen guten Gott erschüttert. Eine körperliche Krankheit beeinträchtigt also auch die Seele und umgekehrt.

Das Einzige, was die Mauern dieser Einengung durchbrechen kann, ist ein Berührt-Werden durch eine Begegnung: Aufmerksamkeit und echtes Mitgefühl können die Not innerer Einsamkeit aufbrechen.

Diese Hoffnung tut sich auch bei den 10 Aussätzigen auf, als sie Jesus sehen. Von weitem rufen sie: Hab Erbarmen mit uns! - Erstaunlicher Weise bitten sie nicht um ihre Gesundung. Sondern sie wollen so, wie sie sind, angenommen werden. Sie wünschen sich damit die Anerkennung ihrer Würde, die ihnen durch die Ausgrenzung genommen wurde.

Jesus bleibt stehen, er hat keine Angst vor ihnen, er nimmt sie mit ihren Wunden an.

Und dann schickt er sie zurück in die Gesellschaft: „Geht und zeigt euch den Priestern!“

Also: Sagt denen, die euch für unrein erklären, dass ihr dazu gehört - ihr seid Teil der Gemeinschaft.

Und auf dem Weg dorthin erfahren sie ihre Heilung. Hat das Mitgefühl also ihre Heilung bewirkt? Vielleicht! Jedenfalls kann, wer sich angenommen weiß, wieder Ja zu sich sagen. Und wer zu sich Ja sagen kann - trotz Mängel und Wunden - der klammert nichts mehr aus - wird ganz, wird heil.

Was bedeutet es, dass am Ende nur einer von 10 Geheilten zurückkommt? Ich sehe darin keine Bösartigkeit oder Achtlosigkeit der neun anderen, sondern ich sehe das Besondere des einen: Er erlebt seine Heilung nicht als blinden Zufall; sondern er sieht sie als ein ganz persönliches Geschenk, das ihn beglückt, erfüllt und auch verpflichtet.


Mitfühlende Begegnung und Wertschätzung können der Anfang eines neuen Weges sein und zum Heilwerden eines Menschen beitragen.




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