Wahrnehmuns-Fenster
- Georg Fröschl

- vor 14 Stunden
- 1 Min. Lesezeit
Der Morgen steigt schon höher. Helles Licht bestrahlt die Mauer der Kirche gegenüber von meiner Wohnung. Ich sehe die Sonne zwar nicht, aber ich nehme ihr Licht war, das von den Ziegeln abstrahlt.
In meinem Arbeitszimmer ist es noch relativ dunkel, nur der rechte Vorhangteil ist zurückgezogen. So dringt Helle in mein Zimmer.
Ich merke die Lichtschwankungen, wenn eine Wolke die Sonne verdeckt - dann wird die Kirchenwand sofort etwas dunkler.
Still und schweigend betrachte ich dieses Schauspiel. Und plötzlich regt sich eine Stimme in mir, ohne richtige Worte, eher wie ein Gefühl, das zu mir wandert und mich in einen Dialog hineinzieht:
Georg, du bist mitten im Leben, bist Teil eines großen Prozesses. Durch dein kleines Wahrnehmungsfenster strahlt ein Teil dieser großen Wirklichkeit zu dir; auch wenn dieser nur winzig ist, bewegt er in dir ein Ahnen und Staunen. - Wie fühlst du dich denn dabei? Lass dir Zeit beim Nachspüren.
Bedenke, vor 5 Stunden war die Wand vor deinem Fenster noch dunkel, jetzt ist sie erleuchtet und du kannst Struktur und Farbe erkennen. Ist das nicht ein wunderbares Geschenk?
So ist es mit allen Dingen, die in uns und um uns noch dunkel sind - irgendwann bricht über ihnen allen ein heller Morgen an, und es zeigt sich an ihnen ihr innerstes und schönstes Wesen.




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