• Georg Fröschl

Was ist der Mensch?


Das Evangelium vom 12. So im Jahreskreis beginnt mit einer Frage:

„Für wen halten die Leute den Menschensohn?“

Das klingt nach Meinungsumfrage. Doch wenn wir weiterlesen, wird klar: es geht nicht um eine Werbestrategie Jesu, sondern er will seine Jünger mit den tiefen Schichten des Menschseins vertraut machen. Denn die Frage nach dem Menschensohn ist eng verbunden mit der Frage: „Wer bin ich?“


Gott ist auch in mir Mensch geworden. Er hat in mir Fleisch angenommen und Christus lebt in mir, wie Paulus das einmal ausdrückt.

Mit anderen Worten sagt es der Prophet Sacharja in der ersten Lesung: "Gott hat seinen Geist über uns ausgegossen: den Geist des Mitfühlens und des flehentlichen Bittens…" Durch diese Gabe können wir Gott von innen her verstehen, sein Wesen fühlen und seine Absicht leben. Was Gott über uns ausgießt, kann in uns zu einer lebendigen Quelle werden, zur Quelle des Erbarmens.


Wenn Jesus fragt: „Für wen haltet ihr mich?“ will er nicht, dass wir ihn in ein Dogma pressen, sondern dass wir selber in seine Natur, in die Christus-Natur, hineinwachsen und so zum Segen werden.

Das Evangelium skizziert diese Christusnatur und weckt damit zunächst eher unangenehme Empfindungen:

· Der Menschensohn muss vieles erleiden:

Das will niemand – und doch ist es wichtig, diese Realität anzuerkennen, sonst wälzt man das Leid auf andere ab oder drängt es in den Schatten.

· Der Menschensohn verleugnet sich selbst:

Das ist ein schwieriges Wort. Es bedeutet auf keinen Wall Selbstabwertung, sondern es geht um ein Durchlässig-werden für Gott. Wir legen die Ego-Definitionen ab und bekleiden uns mit Christus, der Gott durchscheinen lässt.

· Der Menschensohn nimmt täglich sein Kreuz auf sich:

Das bedeutet schlicht: sich selbst annehmen, Tag für Tag.

· Der Menschensohn setzt sein Leben ein, um es zu gewinnen:

Das können wir im Bild der Liebe besser verstehen: Wer liebt und intim wird, der vergisst sich und schenkt sich ganz; im Sich-verlieren erfährt er tiefes Glück.


Was haltet ihr vom Menschensohn? das führt zur Frage „Wer bin ich? Jesus zeigt uns einen Weg, der nichts ausschließt, der ganz eintaucht und in der Liebe fruchtbar wird.




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