• Georg Fröschl

Bedenke Staub, dass du Mensch bist

Ich stelle mir vor, der Aschermittwoch ist der erste Tag einer spannenden Expedition.

Wir machen uns auf den Weg zu einem Gipfel. Dieser Gipfel ist jedoch eher in uns zu finden, also irgendwo außen. Es ist ein innerer Weg zu einem erfüllten Leben.

Daher wird dieser Weg für jeden und jede ein wenig anders ausschauen. Was jedoch von uns allen gefordert ist: dass wir unserer Sehnsucht trauen und in diesen Weg einwilligen. Wie bei allen Prozessen wird nicht die Geradlinigkeit das Entscheidende sein, sondern das Fließen und in Bewegung-Bleiben: also werden wir unterwegs auch Dinge und Haltungen zurücklassen, die uns am inneren Weitergehen hindern.


Als Landkarte dienen uns Bibeltexte, die unser Ziel aus verschiedenen Perspektiven in den Blick nehmen.


Eine dieser Zielperspektiven formuliert Paulus im Brief an die Gemeinde in Korinth so: „Lasst euch mit Gott versöhnen.“ Bevor wir aufbrechen, ist es also wichtig, dass wir versöhnt sind: mit Gott, mit uns selbst, mit unserer Lebenssituation.

"Nur was angenommen wurde, kann verändert, bewegt und geheilt werden." lautet eine alte Weisheit. Versöhnen ist etwas Sanftes, das ohne Gewalt passiert. Es ist eher ein Zulassen als ein Tun. Lass es zu, dass du geliebt und wertvoll bist. Dass Gott durch dich sein Wort sagen darf. Dass er dich mit deinen Unvollkommenheiten braucht, um auch durch dich in dieser Welt zu sein. Sag Ja zu dir, nimm dich an mit deinen Fehlern und Wunden und lass Gott in dir Heilung bewirken. Nimm dir für diese Wahrheit jeden Tag Zeit.


Eine zweite Zielperspektive formuliert Jesus im Mt-Evangelium: Lass dein Fasten nicht isoliert dastehen, sondern verbinde es mit deiner Nächstenliebe und mit deiner Gott-Innigkeit.

Das heißt, wenn du auf Dinge verzichtest, schaue ihnen nicht traurig nach, sondern schau auf das, was durch den Verzicht an Neuem und Gutem geschehen kann.

Genieße die Zeit im Zwiegespräch mit Gott, denn diese Zeit wird dir Frieden schenken.

Wenn du mit anderen Leuten etwas teilst, dann spür die Freude darüber. Vielleicht spürst du auch die Freude der Beschenkten.

So kann jeder Verzicht dich innerlich reich machen und dich auf dem Weg zum inneren Oster-Gipfel voranschreiten lassen.


Beim Start auf diesem Weg gibt es den Aschenritus.

Mögliche Begleitworte dazu lauten: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurück kehrst.“ Das erinnert an unsere Vergänglichkeit. Wir sterben und kehren zurück zum Staub (Ps 90,3) Der Staub steht symbolisch für die Materie, die wir biologisch sind. Es wäre aber ein Irrtum, dieses Symbol negativ zu deuten. So als sei die Materie wertlos und als müssten wir diesen Zustand überwinden. So wurde dies manchmal betrachtet.

Doch in der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) feiern wir gerade das Umgekehrte, die Aufwertung des Vergänglichen durch Gottes Gegenwart. Gott selbst hat das vergängliche Dasein ganz angenommen und bewohnt. Und eben nicht, um uns hier rauszuholen, sondern um uns die Augen dafür zu öffnen. Hier und Jetzt soll das Werden des Himmelreiches geschehen – auch durch dich. Vielleicht würde das deutlicher, wenn es heute hieße: „Bedenke Staub, dass du Mensch bist!“

Also: Gott hat in dir Wohnung genommen, um dich mit Freude zu erfüllen und in dir das Osterfeuer des Auferstandenen zu entfachen. Werde, was du bist - Licht der Welt!

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