Lebendiger Schatz in dir...
- Georg Fröschl

- 25. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Ich beginne mit einer Kindheitserinnerung: Ich bin am Dachboden. Da stehen alte Kisten meiner Eltern, verstaubt, vergessen – vor mir.
Ich öffne eine. Da entdecke ich ein kleines Bronzerelief. Mein Herz klopft. Das will ich haben.
Ich lege es zurück in die Schachtel. Zeige den staubigen Fund meiner Mutter. „Mutti, darf ich das haben?“ Insgeheim denke ich: Je verstaubter es aussieht, desto größer die Chance, dass Mutti ja sagt. - Ein Kindertrick. Aber ehrlich gesagt: ziemlich menschlich.
Genauso könnte man das heutige Gleichnis lesen. Ein Mann findet einen Schatz im Acker. Vergräbt ihn wieder. Kauft schnell das Feld, bevor es ein anderer merkt.
Sehr schlau. Fast ein bisschen berechnend. - Aber das will Jesus uns nicht sagen.
Der Acker ist unser Leben. Grau. Gewöhnlich. Voller Arbeit.
Und genau darin, sagt Jesus, liegt ein Schatz verborgen.
Nicht daneben. Nicht darüber. Sondern darin.
Aber einen verborgenen Schatz sieht man nicht mit gestressten müden Augen. Dafür braucht es ein waches Herz. Ein hörendes Herz.
Genau darum bittet der junge König Salomo in der ersten Lesung. Nicht um Reichtum. Nicht um Macht. Um ein hörendes Herz.
Ein Herz, das bereit ist, den Acker des eigenen Lebens genau anzuschauen. Und darin den Glanz entdeckt, der unter dem Staub liegt.
Und jetzt kommt das Entscheidende. Der Mann im Gleichnis nimmt nicht den Schatz allein. Nein er kauft den ganzen Acker. Mit allem, was dazugehört.
Das bedeutet: Himmelreich gibt es nicht ohne das Leben. Nicht ohne Mühe. Nicht ohne Alltag.
Wer den Schatz will, muss den Acker nehmen. Ganz. Mit den Steinen darin. Mit der harten Erde.
Kaufe den Acker, das meint: Lebe dein eigenes, alltägliches Leben.
Nicht das Leben eines anderen. Nicht ein Leben ohne Mühsal. Dein Leben. Ganz.
Der Schatz liegt schon darin. Er wartet nur auf ein wachsames Herz, das ihn entdeckt und hebt. Diese Entdecker-Freude wünsche ich dir.

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