• Georg Fröschl

Lebendiger Tempel sein

Das Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis beginnt mit der Schilderung der Zerstörung des Tempels: Kein Stein, so sagt Jesus, wird auf dem anderen bleiben.

Der Tempel ist für Juden das Zeichen der Präsenz Gottes, jener Ort, wo man seine Gegenwart spürt, feiert und anruft… Und dieser Ort wird nun zerstört. Die Aufzählung weiterer Unheils-Szenarien scheint dann nur mehr eine logische Folge zu sein: Krieg, Hunger, Seuchen, Uneinigkeit in der Familie…

Fragen drängen sich auf: Wo bist du Gott? Wenn es dich gibt, warum lässt du das alles zu? Worauf können wir uns noch verlassen?

Wenn das Gute mit Füßen getreten wird, wenn Politiker korrupt sind und das Recht des Stärkeren gilt, welchen Sinn hat es noch, sich selbst um das Gute zu bemühen?

In all diese dunklen Gedanken leuchtet die heutige Frohe Botschaft hinein; sie ermutigt uns: Verzweifelt nicht, habt Mut! All das muss geschehen! Es ist aber nicht das Ende, nicht der Weltuntergang. Vielmehr sind es Geburtswehen einer großen Entwicklung, die wir noch nicht überblicken können.

Ihr kennt den Spruch: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist noch nicht das Ende." - Wir werden im Evangelium eingeladen, trotz alles Schweren auf Gottes Verheißung zu vertrauen. Gott will unser Leben – über den Tod und jegliches Unheil hinaus.

Wenn wir an der Hoffnung festhalten, sagt die Frohe Botschaft, dann geben wir Zeugnis. Dann seid wir wie der Tempel: ein lebendiger Ort der Gegenwart Gottes. Wir sind dann Licht im Finstern. Und Licht tut den Menschen gerade in der Finsternis besonders gut.

Mit den fast poetischen Worten aus der ersten Lesung (Buch Maleachi) möchte ich meine Gedanken nun beschließen; es heißt da:

Die Überheblichen und Frevler werden wie Spreu verbrennen, für euch aber wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung.




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