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Vergeben ist wie Sprache lernen

Autorenbild: Georg Fröschl
Georg Fröschl
vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Vergeben üben

Predigt zum 24. Sonntag im Jahreskreis

 

Kennst du das? Zwei Kinder sitzen im Zimmer. Das eine hat ein tolles Spielzeug. Sofort will es das andere auch haben. Nicht weil es das Spielzeug wirklich braucht. Sondern weil in uns Menschen tief das Bedürfnis des gerechten Ausgleichs steckt.

 

Physiker kennen dieses Prinzip auch, das im Phänomen der kommunizierende Gefäße anschaulich gemacht wird. Steht das Wasser in einem Rohr höher als im anderen – es gleicht sich aus. Von selbst. Das ist ein Grundgesetz. Nicht nur der Physik. Auch im Leben.

Wenn etwas schief liegt, wollen wir es geraderücken.

Die Waage ist das Symbol dafür. Zwei Schalen. Im Gleichgewicht.

 

Schön, wenn es so einfach wäre mit dem Gleichgewicht. Aber ist es nicht.

Das Klima im Norden ist anders als im Süden. Der Wohlstand auf dieser Erde ist verteilt wie mit ungleichen Gewichten. Manche haben zu viel. Andere fast nichts.

Und in unserem eigenen Leben? Da tut uns manchmal jemand weh. Ein Wort, das sitzt. Ein Vertrauen, das bricht. Eine Freundschaft, die kippt. Und sofort ist er da, der Impuls: Das gleiche ich aus.

 

Drei Wege stehen dann offen.

 

Weg eins: Wild zurückschlagen. Rache. Ohne nachzudenken.

Weg zwei: Genau abrechnen. Aug um Aug. Eins zu eins zurückzahlen.

Und dann Weg drei. Der schwierigste. Der Weg, zu dem Jesus einlädt: Vergeben.

Nicht einmal. Immer wieder.

 

Petrus fragt Jesus heute im Evangelium: Wie oft soll ich vergeben? Siebenmal? Jesus antwortet: Nicht siebenmal. Siebenundsiebzigmal.

Das heißt: nicht bis siebenundsiebzig zählen. Das heißt: Hör auf zu zählen, aufzurechnen.

Ein anspruchsvoller Weg. Das gebe ich zu. Er gelingt uns nicht immer. Manchmal gar nicht.

Und niemand kann uns dazu zwingen.

 

Aber jedes Mal, wenn wir vergeben, geschieht etwas: klein, aber real. Ein Teufelskreis wird durchbrochen. Eine Mauer wird zur Brücke. Nicht spektakulär. Aber echt. Und ansteckend.

Wem einmal vergeben wurde, der kann leichter selbst vergeben.

Vergeben ist wie eine Sprache. Man lernt sie nicht an einem Tag. Man übt sie. Immer wieder. Bei jeder Gelegenheit ein bisschen mehr.

Darum kurz zusammengefasst: Nicht heimzahlen. Vergeben üben.


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