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Liebe erfüllt die Gerechtigkeit

Autorenbild: Georg Fröschl
Georg Fröschl
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

Liebe erfüllt erst die Gerechtigkeit

Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis

 

Eine Erinnerung aus der Schulzeit. Wir fuhren mit dem Zug zur Schule. Jeden Morgen dasselbe Ritual: Karten spielen. Eines Tages behauptet jemand, ich hätte geschummelt. Zu Unrecht. Ich weiß noch genau, wie das war. Ärger im Bauch. Und gleichzeitig: Ohnmacht. Ich konnte nichts dagegen tun.

 

Seither begleitet mich das Thema der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit.

Genau dieses Thema trifft uns im Evangelium vom 25. Sonntag mit voller Wucht.

Ein Gutsherr zahlt am Abend allen Arbeitern denselben Lohn. Denen, die den ganzen Tag in der Hitze geschuftet haben. Und denen, die erst eine Stunde vor Feierabend dazugekommen sind. Der erste Impuls: Das ist ungerecht! Empörend! Ich verstehe diese Empörung. Ich hätte sie auch.

 

Aber genau darauf zielt Jesus mit seinem Gleichnis. Er will uns aus einem engen Gottesbild herauslocken. Aus der Vorstellung, Gott würde rechnen wie wir. Aufteilen wie wir. Vergleichen wie wir.

Gott ist größer als unsere Vorstellungen. Größer auch in seiner Gerechtigkeit.

Der Prophet Jesaja sagt es heute so: Eure Wege sind nicht meine Wege. Eure Gedanken nicht meine Gedanken. So hoch der Himmel über der Erde ist – so hoch sind meine Gedanken über euren.

 

Ein anderes Bildd, das mir auch hilft, das ein wenig zu verstehen – stell dir vor:

Ein Kind bekommt ein Stück Kuchen. Hastig hingestellt. Ohne Blick. Ein anderes Kind bekommt genau dasselbe Stück Kuchen. Aber schön serviert. Mit einem Lächeln dazu.

Beide Male: gleich groß. Gleich gerecht. Gleich richtig.

Aber im zweiten Fall geschieht mehr. Liebe kommt dazu. Sie hebt die Gerechtigkeit nicht auf. Sie füllt sie über den Rand.

 

Genau das sagt auch die Bibel: Gottes Gerechtigkeit heißt Barmherzigkeit. Nicht weniger Gerechtigkeit. Sondern Gerechtigkeit, die überfließt. Schauen wir noch einmal genau hin auf das Gleichnis.

Es geschieht kein Unrecht. Wirklich nicht. Jeder bekommt einen Denar. Genau das, was ein Tag zum Leben braucht. Jeder bekommt, was vereinbart war. Nicht mehr. Nicht weniger.

Und die Letzten, denen nichts versprochen war, die trotzdem geblieben sind? Sie bekommen dasselbe. Nicht aus Berechnung. Aus Liebe.

 

Liebe schenkt mehr, als Gerechtigkeit fordert.

Ich glaube: Diese Liebe müssen wir selbst einmal erlebt haben. Erst dann beginnen wir sie zu verstehen. Darum mein Schlusswort, kurz und einprägsam:

Nicht nur rechnen. Auch lieben. Das ist die ganze Botschaft. Nicht nur rechnen. Auch lieben.


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