Selig, die sich öffnen

Stell dir vor, jemand gratuliert dir. Und zwar genau in dem Moment, in dem es dir schlecht geht. Wo du trauerst, oder dich klein und von allen abgeschrieben fühlst. Und da sagt einer: „Gratuliere!“
Genau das tut Jesus im Evangelium zu Allerheiligen. Die Seligpreisungen beginnen alle mit denselben Worten: „Selig, die …“ Und dann folgt etwas, das wir uns nicht unbedingt wünschen: arm sein, trauern, geschmäht werden.
Was ist da mit „selig“ gemeint?
Für mich ist es ein Beglückwünschen. Aber dieses Glück ist ein besonderes, es überrascht uns nicht kurz und ist dann wieder weg, wie ein Vogel, der vorbeifliegt. Es ist ein Geschenk, das bleibt. Es verwandelt den ganzen Menschen und richtet ihn auf. Es ist nicht Reichtum und Wohlergehen. Es ist auch kein Leben ohne Probleme. Aber es ist ein Glück, das von keinem Unglück mehr zerstört werden kann, weder von Armut, noch von Trauer oder Schmähungen.
Warum sollten Menschen dieses Selig-Sein oft erst im Schweren erfahren? In Momenten der Schwäche, wenn uns die Gesellschaft abgeschrieben hat?
Ich kann hier nur eine Vermutung äußern. Denken wir an Menschen, denen alles gelingt. Sie sonnen sich in Ruhm und Erfolg. Sie leben in der Gefahr, sich selbst zu genügen und sich ihre Wünsche selbst zu erfüllen. Dann sind sie nicht mehr offen für Geschenke.
Wer dagegen nichts mehr hat als sein bedürftiges Leben, kann sich für Gottes Gaben öffnen. Oft sind es die Armen und Schwachen, die sich nach der Gerechtigkeit und dem Frieden Gottes ausstrecken.
Die Heiligen waren solche Menschen. In ihrer Schwäche und Begrenztheit haben sie sich für die Liebe Gottes geöffnet. Wie die Sonne durch ein Glasfenster haben sie diese Liebe durch ihr Leben leuchten lassen. Und dieses Licht bleibt in der Welt. 800 Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus zB. sprechen wir noch von seinem Leben und empfangen daraus Inspiration.
Das ist das Eine: Wir dürfen aus dem schöpfen, was die Heiligen gelebt haben, immer wieder neu. Es geht nicht verloren.
Das Andere: Auch wir sind eingeladen, uns den Sonnenstrahlen der Liebe Gottes zu öffnen. Und sie durch unser begrenztes Leben scheinen zu lassen. Auch das wird bleiben.
Selig, wer sich für Gottes Licht öffnet. Gerade im Schweren.



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