Über Religionen hinaus...
- Georg Fröschl

- vor 11 Minuten
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Ich bin auf dem Land in einer katholischen Familie groß geworden. Mein Großvater war tief religiös, und im Haus wurde oft über Menschen gesprochen, die nicht gläubig waren. Als Kind bekam ich den Eindruck: Wer nicht katholisch ist, ist irgendwie weniger gut. Also glaubte ich, alle müssten katholisch sein, damit die Welt funktioniert. Der römisch‑katholische Glaube schien mir der einzig wahre.
Mit den Jahren hat sich dieses Bild verändert. Denn unsere übernommenen Urteile wandeln sich, sobald wir eigene Erfahrungen machen. Grenzen verschieben sich, Horizonte werden weiter. Was ich mir als Kind nicht vorstellen konnte, wurde später möglich.
Genau um diese Horizonterweiterung geht es für mich im Evangelium des 20. Sonntags im Jahreskreis. Eine nicht‑israelitische Frau bittet Jesus um Hilfe. Doch Jesus reagiert abweisend. Er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt.“ So kennen wir Jesus nicht. Er wirkt hart, fast unsympathisch. Das irritiert.
Doch am Ende geschieht etwas Überraschendes: Jesus lobt den Glauben dieser Frau – und stellt sie als Vorbild hin.
War das ein Test? Wollte Jesus herausfinden, wie ernst ihr Anliegen war? Oder zeigt uns diese Stelle, dass auch Jesus gelernt hat, dass auch er seinen Horizont erweitert hat? Ich glaube: Ja. Denn im Evangelium heißt es an anderer Stelle, dass Jesus „an Weisheit und Kraft zunahm“. Auch er war ein Lernender.
Was bedeutet das für uns? Heißt das, Religionszugehörigkeit sei nicht entscheidend – vielleicht sogar zweitrangig?
Ich möchte meinen Standpunkt mit euch teilen: Entscheidend ist der persönliche Glaube und die Echtheit unseres Lebens. Religionen, Dogmen und Riten sind Wegweiser und Haltegriffe. Aber wir dürfen nicht bei den Wegweisern stehen bleiben. Wir sollen weitergehen – zur Quelle. In die Tiefe unserer Seele. Zu dem Gott, der in uns wohnt.
Dann wird unser Blick weit. Wir fühlen uns verbunden mit allem. Grenzen verlieren ihre Härte. Wir urteilen nicht mehr nach dem Äußeren – auch nicht nach der Religionszugehörigkeit.
Und das, was Jesus im Evangelium gelernt hat, ist im Alten Testament längst angelegt: Gott ist ein Gott für alle Völker, für die ganze Schöpfung. Ein echtes, authentisches Leben und ein Vertrauen, das trägt – das führt uns zu Gott und zur Vollendung.
Glaube kann Gräben überbrücken.

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